Ich spüre was, was du nicht spürst – Dinge, die wahrscheinlich nur hochsensible Menschen verstehen

Hochsensibilität – ein Leben mit Licht und Schattenseiten. Nicht alle Menschen der rund 20%, die hochsensibel sind,  sind charakterlich  gleich. Man kann nicht alle hochsensiblen Menschen in einen Topf schmeissen, denn wie auch unter normal sensiblen Menschen, gibt es hier viele verschiedene Persönlichkeiten. Es gibt introvertierte HSP´s, es gibt extrovertierte HSP´s , es gibt Mischformen und es gibt HSP´s bei deinen die Hochsensibiltät mehr ausgeprägt ist, wie bei anderen.

Dennoch haben alle hochsensiblen Menschen einige Gemeinsamkeiten – Gemeinsamkeiten, die sie zu wunderbaren, besonderen und  liebenswerten Menschen machen. Hochsensibilität kann man nicht lernen und Hochsensibilität kann man auch nicht ablegen. Es ist eine Charaktereigenschaft, die wunderschön sein kann, wenn man gelernt hat damit umzugehen. Aber wie lernt man damit umzugehen, seine Gaben richtig einzusetzen und Freude daran zu haben? Meiner Meinung nach ist es die Erfahrung. Gaben entwickeln sich, je mehr man sich damit beschäftigt, sich selbst entdeckt – desto besser lernt man seine Grenzen kennen und damit umzugehen.

Ich habe mich bewusst für ein Leben mit meiner Hochsensibilität entschieden. Ich habe mich bewusst dafür entschieden mich besser kennenzulernen, an mir zu arbeiten und meine scheinbaren Schwächen zu meinen Stärken zu machen. Und vor allem habe ich mich bewusst dazu entschieden meine Hochsensibilität in vollen Zügen auszuleben und zu genießen.

Ich selbst habe mich in meiner Kindheit und meiner Jugend oft für meine Hochsensibilität geschämt, wollte „normal“ sein und eine höhere emotionale Toleranzgrenze haben.Ich wollte so sein wie andere, wollte dazugehören und mich sicher und geborgen fühlen. Nein , damals wusste ich noch nicht, dass ich hochsensibel bin.Mir war aber klar, dass ich anders bin als andere Teenager.“Übertreib nicht so“ , Steigere dich nicht so rein“, „Verhalte dich mal wie ein normaler Mensch“ – im Nachhinein gesehen war mein Umfeld wahrscheinlich einfach überfordert mit so vielen Gefühlen und Emotionalität.

Mein übermässiger Ehrgeiz, meine extreme Feinfühligkeit, die Empathie für andere Menschen, meine Fantasie und mein Kopfkino – inzwischen liebe ich meine Fähigkeiten, setze sie für mich vorteilhaft ein und schaffe es auch (meistens) nicht an meine emotionalen Grenzen zu stossen. Betonung auf meistens: denn habe ich meine Grenzen erreicht, endet es in einem unbeschreiblichen Gefühlschaos, emotionaler Überforderung , Tränen , Kopfkino und allem was dazugehört. Bin ich erstmal emotional überfordert, brauch ich meist sehr sehr lange Zeit um wieder zu mir selbst zu finden. Meine engsten Vertrauten wissen dann meist schon ganz gut was mit mir los ist und wie sich mich in solchen Phasen behandeln müssen. Ich hingegen versuche meine Gefühle zu verstecken und spiele eine Show. Und ja ich erkenne mich dann selbst nicht mehr und das macht es meistens nur noch schlimmer. Ich denke, jeder hochsensible Mensch, der das liest, weiß was ich meine. 😉

In diesem Blogpost möchte ich vor allem auf Dinge eingehen, die mir helfen meine emotionalen Grenzen nicht zu erreichen. Ich schreibe auch hier (sowie in allen meinen Blogsposts) aus meinen Erfahrungen, aus meinem Alltag – vielleicht kann ich dem einen oder anderen so ein bisschen Kraft geben. Manche Punkte überschneiden sich natürlich mit älteren Blogposts. Für alle, die neu dazugekommen sind: Hochsensibilität ist keine psychische Krankheit, sondern ein Charakterzug. Ein Charakterzug der wunderschön sein kann, wenn man gelernt hat damit umzugehen. Ich freue mich auf euer Feedback. Berichtet mir gerne , was euch dabei hilft bei euch selbst zu bleiben. Alle Kommentare bleiben natürlich wie immer anonym.

HARMONIE 

Harmonie, ein harmonisches Umfeld , ein harmonisches Miteinander – für mich gibt es nichts schlimmeres als Streit, körperliche und psychische Gewalt. In meiner kleinen Traumwelt haben sich alle Menschen lieb und leben im Einklang miteinander. Das dies in der Realität natürlich nicht möglich  ist, ist mir inzwischen auch schon bewusst  geworden. Konflikte wird es immer geben , dennoch gibt es auch Menschen die richtiggehend den Streit suchen, alles nur negativ sehen und ständig irgendetwas zu meckern oder auszusetzen haben. Solche Menschen habe ich komplett aus meinem Leben verbannt. Auch wenn es anfangs vielleicht hart war, weil sie mir einmal sehr nahe gestanden sind. Im Nachhinein gesehen war es aber für mich die beste Entscheidung meines Lebens.

Ich kenne aber auch hochsensible Menschen, die richtige Gewohnheitstiere sind. Sie sind schon jahrelang in Beziehungen, Freundschaften , in denen sie sich eigentlich nicht mehr wohlfühlen.Eigentlich möchten sie ausbrechen, machen es aber nicht um den Trennungsschmerz zu vermeiden. Generell bleiben hochsensible Menschen oft länger in Beziehungen, als ihnen gut tut.

Mit Menschen, die mir wichtig sind und die mir am Herzen liegen , versuche ich Konflikte konstruktiv zu lösen und das klappt meistens auch ganz gut. Im ersten Moment eines Streits bricht für mich aber  immer noch eine kleine Welt zusammen.Für mich ist es sehr wichtig, alles in Ruhe zu reflektieren und darüber nachzudenken warum und wieso der Konflikt überhaupt zustande gekommen ist.Ich muss erst  für mich abwägen, ob dieser Konflikt nun berechtigt war oder nicht, ich muss meinen inneren Frieden finden- erst danach kann ich neutral in ein Versöhnungsgespräch gehen.

VERTRAUEN UND ZEIT 

Durch meine detailreiche Wahrnehmung und mein Feingefühl spüre ich sehr schnell, ob es ein Mensch wert ist, ihn in mein Leben zu lassen. Hochsensible Menschen verlieben sich übrigens nachweislich auch viel schneller und intensiver als normal sensible Menschen. Ich glaub jeder hochsensible Mensch weiß was ich meine , wenn ich behaupte, dass verliebt sein verdammt schön aber auch mega anstrengend sein kann. Bei mir kommt mit dieser Erkenntnis nämlich meist auch die Angst. Werde ich so akzeptiert, geliebt wie ich bin ? Wie geht derjenige mit meiner Hochsensibilität um? Zukunft? Veränderung? Angst vor Nähe? Angst mich zu öffnen? Einerseits möchte ich die Gefühle in die ganze Welt hinausschreien, diesen Menschen am liebsten sofort wiedersehen, andererseits schreit das aber schon emotionaler Überforderung und Reizüberflutung. Kommt ein Mensch  zu schnell in mein Leben ist das Gefühlschaos perfekt.

DAHER:

Egal ob in der  Freundschaft oder in der Liebe- hochsensible Menschen erobert man mit viel Zeit, tiefgründigen Gesprächen, Geduld , Verständnis, lieben Worten und Gesten. Das ist der einzige Weg um eine emotionale Überforderung zu umgehen und Vertrauen und Verbundenheit aufzubauen. Bei mir selbst war es ein langer Weg bis ich zu dieser Erkenntnis kam. Einerseits weiß ich  sehr schnell was/wen ich will, andererseits überfordere ich mich zeitgleich aber damit selbst.

FREIRAUM

Ich bin unheimlich kreativ und habe meinen Kopf immer voller Ideen. Um lebensfroh, schaffensfreudig und kreativ sein zu können brauche ich aber Freiraum.  Räumlichen Freiraum und menschlichen Freiraum. Bekomme ich diesen nicht bzw. werde ich eingeengt nimmt meine Freude, meine Motivation und meine Leistungsfähigkeit deutlich ab.   Daher kommt es bei mir immer wieder mal vor, dass Facebook Messenger und Instagram Nachrichten für einen Tag offline sind, mein Handy auf Flugmodus ist und ich mich einfach mal in mein Home Office verkrümmle um ich selbst sein zu können. Generell habe ich gewisse Distanzen geschaffen um mich vor Reizüberflutungen zu schützen. Vielen von euch ist es schon aufgefallen, dass es auf Instagram nur noch am Wochenende nach 18 Uhr Stories von mir gibt oder ich auf Facebook selten am Abend online bin. Ich hab auch alle meine Mail Adressen vom Handy gelöscht, die sind nur noch am PC und werden maximal 2 mal am Tag gecheckt. Lediglich eine Mailadresse ist noch am Handy, diese haben aber nur meine vertrautesten Geschäftspartner und meine Assistentin. Ich habe gelernt auch mal nein zu sagen. Verpflichtende Termine, bei denen ich im Vorhinein schon weiß, dass sie mich überfordern lege ich so dass der restliche Tag ruhig wird.

BINDUNGEN UND UMFELD 

Hochsensible Menschen lassen sich extrem von den Stimmungen anderer mitreißen. Das Gehirn von hochsensiblen Menschen funktioniert anders, alle Reize gehen ungefiltert durch und unser Nervensystem ist viel feiner und verzweigter. Ich bin wie mein Umfeld ist und kann mich irre gut anpassen. Um ich selbst sein zu können, brauche ich aber die richtigen Menschen in meinem Leben. Ein Umfeld und Bindungen, die mir emotionalen Rückhalt bieten, bei denen ich mich geborgen und sicher fühle. Ich öffne mich nur sehr selten vor jemanden. Wenn mich aber jemand knackt und mir das Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit  gibt, bekommt dieser Mensch es 1000 fach zurück. Hochsensible Menschen, sind sehr gute Freunde, Vertrauenspersonen und vor allem gute Zuhörer. Geht es Menschen, die mir wichtig sind schlecht, leide ich richtiggehend mit und versuche im Kopf schon irgendwie eine Lösung für das Problem zu finden. Andererseits kann ich mich bei Erfolgen aber auch so richtig mitfreuen.Ich spüre meist schon im Vorhinein, wenn etwas Negatives im Anflug ist, ob eine Entscheidung klug ist oder nicht. Ausserdem spüre ich auch ganz genau welche Gefühle mein Gegenüber empfindet, für mich , für die Situation.Für mich ist es das Allerschlimmste, wenn ich weiß wie jemand fühlt, aber nicht zu seinen Gefühlen stehen will oder sie überspielt. Dabei mache ich das selbst in manchen Situationen ja auch ganz gerne 😉

Kurz gesagt, fühle ich mich mit einem Menschen verbunden, kann er mir so richtig mein Herz brechen.

DAHER :

Für uns hochsensiblen Menschen ist es sehr wichtig unser Umfeld mit Bedacht auszuwählen. Es ist wichtig zu reflektieren ob uns  Menschen gut tun, runterziehen uns positiv mitreißen , uns inspirieren oder ob wir sie lieber aus unserem Leben streichen sollten. Ich hab das Glück wirklich tolle Menschen in meinem Leben zu haben, die mich inspirieren , mir extrem viel Power und Selbstbewusstsein geben und es sogar geschafft haben, mich wieder ein Stückchen mehr zu mir selbst finden zu lassen.

SCHÖNE DINGE 

Und damit meine ich jetzt keine materiellen Dinge- oh nein, aber ich kann zum Beispiel stundenlang die Kerze vom Adventskranz beobachten und mich daran erfreuen wie sie flimmert. Ich kann mich auch an dem Geschmack von einem Tee oder Duft einer Kerze erfreuen – oder an den Schneeflocken, die gegen das Fenster klopfen. Mich freut es auch, wenn mir jemand die Tür aufhält oder mir die Jacke abnimmt. Ich erfreue mich aber genauso an einem schönem Lied, an einem guten Buch,  an lieben Worten, einem ehrlichen Kompliment. Hm ja ich glaube mir kann man sehr schnell eine Freude machen 😉   HSPs verfügen über eine gute Beobachtungsgabe, sie nehmen Feinheiten und Nuancen wahr, denen andere gar keine Bedeutung schenken. Dementsprechend bin ich sehr detailverliebt, habe einen Sinn für Ästhetik und liebe schöne Dinge. Teure Geschenke sind für mich von sehr wenigem Wert, aber ich liebe es , wenn sich jemand Gedanken darüber macht, was mir gefallen könnte und genau ins Schwarze trifft. Ja ich würde sagen, mit hochsensiblen Menschen kann man die Welt neu entdecken und wunderbare kleine Abenteuer erleben. Wir erfreuen uns an kleinen Dingen und sehen die kleinen Schönheiten, die im hektischen Alltag bei den meisten untergehen.

Generell bin ich in meinem Wohlfühlen und in meiner Produktivität sehr abhängig von meiner Umgebung. Fühle ich mich wohl, kann ich kreativ und produktiv sein. Daher ist sowohl mein Büro als auch mein Zuhause sehr liebevoll und detailliert eingerichtet – ich bezeichne es immer als mein „Castle“. Und nein schöne Einrichtung muss nicht teuer sein.

NATUR , RUHE und ME TIME 

Ich bin keine Partymaus, auch wenn ich es sehr lange nicht wahrhaben wollte und irgendwie immer mitziehen wollte um dazu zu gehören. Schon als Teenager war bei mir die Musik der Disko, die Menschen, mit denen ich unterwegs war ausschlaggebend dafür ob ich eine Partynacht durchgehalten habe oder sie vorzeitig abgebrochen habe. Auch Alkohol ist bei mir ein heikles Thema, der verstärkt nämlich meine Emotionen gleich nochmal ums doppelte. Daher ist es auch für mich wichtig hier meine Grenzen zu kennen und Alkohol nur als Genuss zu konsumieren. Menschenansammlungen sind für mich eine Katastrophe, ich halte ein paar Stunden gut durch.Danach ist mein Kopf überfordert von den vielen Reizen und kann nichts mehr aufnehmen.Genauso schlimm kann es  für mich aber auch sein, wenn nur eine kleine Gruppe in einem Raum ist, bei er die Vibes nicht passen. Im ersten Step versuche ich mich anzupassen, irgendwann schalte ich  dann  auf Durchzug und kann mich einfach nicht mehr konzentrieren. Mein Kopf denkt dann nur noch an Flucht, was natürlich nicht immer möglich ist.

Meine Abende verbringe ich daher lieber zurückgezogen, lesend auf der Couch oder bei Geprächen mit wunderbaren Menschen, die mir gut tun. Am Besten abschalten kann ich aber in der Natur. Ich liebe lange Spaziergänge im Wald und die Natur mit all ihren wunderschönen Facetten bewusst zu erleben. Hier finde ich am Besten wieder zu mir selbst.

Man muss einmal an seine Grenzen gegangen sein, um zu wissen, wo sie liegen. Ein hochsensibler Mensch, der sich schon jahrelang mit sich selbst beschäftigt kennt seine Grenzen sicher besser als das 15 jährige Mädchen, dass nicht weiß wohin mit ihren Emotionen. Wir wachsen durch Erfahrungen, durch Fehler – nur so ist es möglich uns selbst besser kennzulernen und ein erfülltes Leben zu führen.

Eure Kati