Wahrnehmung – die empfindsame Superkraft

Gerüche, Geräusche, Gefühle – jeden Tag sind wir ganz vielen verschiedenen Reizen ausgesetzt. Jeder von uns nimmt sie auf – doch nicht auf dieselbe Art und Weise.

Ein Blickkontakt, der dich fesselt und aus dem du 1000 Gedanken und Gefühle herauslesen kannst – eine Berührung, die sich nahzu magisch anfühlt, ein Wort, dass ein ganzes Kopfkino auslöst. Stimmungen, Gefühle, Wünsche , Ängste  die du ganz genau spürst. Der Instinkt, der dir genau sagt wie sich Dinge entwickeln werden, der dir genau sagt wie du dich entscheiden sollst.

Während ein normal sensibler Mensch einen Baum sieht und diesen kurz registriert nehmen wir den Baum bewusst war. In all  seiner Schönheit, in seiner Vielfalt – wir sehen die Details, die ein normal sensibler Mensch gar nicht wahrnimmt. Wir sehen die wunderschönen Blüten, die gerade zum Sprießen beginnen, wir sehen die Äste, die vielleicht auf einer Seite etwas schief sind und wir sehen die Geschichte zu dem Baum.

Während ein normal sensibler Mensch den schwer atmenden, kranken Menschen neben sich vielleicht kurz bemitleidet, löst es in uns einen Stich  aus. Mit jedem schweren Atemzug fühlen wir den Schmerz richtiggehend und leiden mit. Wir können uns in Menschen hineinversetzen.

Während ein normal sensibler Mensch, den Geruch eines Parfums vielleicht gut findet, löst es in uns ein angenehmes Gefühl aus. Wir nehmen in mit allen Details und allen Sinnen wahr. Kommt uns der Geruch nach einiger Zeit wieder unter verbinden wir gewisse Erinnerungen, die unser Gehirn zwischengespeichert hat und diese werden wieder hervorgerufen.

Während einem normal sensibler Mensch ein Lied vielleicht gut gefällt, spüren wir dieses Lied. Wir spüren die Emotionen, die dahinter stecken, wir fühlen Erinnerungen, Momente  dazu, wir haben eine Bindung – wir können uns in dieses Lied hineinversezten und nehmen es intensiv wahr.

Während normal sensible Menschen Gespräche nach kurzer Zeit abschließen, nagen wir oft wochenlang später noch an einem bedeutenden Gespräch. Bei uns wird jedes einzelne Wort reflektiert, abgewogen und analysiert. Während eines Gespräches nehmen wir aber nicht nur die Worte auf – nein, wir nehmen die gesamte Gefühlswelt unseres Geprächspartners auf. Wir können uns in unseren Gesprächspartner hineinversezten , wir fühlen ihn richtiggehend. Wir fühlen was hinter den Worten steckt, wir fühlen die Stimmung, wir fühlen Ängste, Wünsche, Bedürfnisse, Träume und die Details. Meist sind wir unseren Gesprächspartnern deutlich überlegen, weil wir genau merken, wenn das Gesprochene nicht zum Gefühlten passt. Wir merken genau wenn jemand etwas verstecken will, oder etwas überspielt oder vielleicht gar nicht das sagt was er wirklich fühlt oder eigentlich am liebsten sagen möchte.

Stell dir vor: Du hast die Chance ein Gepräch zu führen und die ausgesprochenen Worte führen zu keinerlei Konsequenzen. was würdest du deinem Gegenüber am liebsten sagen, was würdest du am liebsten hinausschreien?

So ungefähr kannst du dir die Wahrnehmung eines hochsensiblen Menschen vorstellen. Wir spüren nämlich genau das. Wir spüren das tiefste Innere unseres Gesprächspartners, die tiefsten Wünsche, die tiefsten Bedürfnisse und auch die tief vergrabenen Gefühle, die der Gesprächspartner selbst vielleicht gar nicht fühlt, wahrhaben will oder unterdrückt.

All das sind wunderbare Eigenschaften, die uns Hochsensiblis zu ganz besonderen Menschen machen. Wir sind empathisch, mitfühlend, gute Geprächspartner, liebenswürdige Freunde und Partner , die zu 100 % auf die Bedürfnisse des anderen eingehen. Wir könnten niemals jemanden verletzen, der uns etwas bedeutet, da wir uns so selbst verletzen.

Die Schattenseiten der Hochsensibilität

Es gibt immer ein Für und Wieder – so auch bei der Hochsensibilität. Neben wunderbaren Eigenschaften wie unserer ausgeprägten Wahrnehmung, uneingeschränkter Kreativität und unseren empathischen Charakter, sind wir natürlich auch für die negativen Emotionen empfänglicher und nehmen sie anders wahr.

Hochsensibilität kann weh tun – und zwar richtig.

Dieser Stich im Herz, der sich anfühlt als würde dir jemand ein Messer durchstechen… Die Tränen die herausschießen, man aber zwanghaft zu unterdrücken versucht, damit niemand mitbekommt wie es einem geht und man sich nicht das 1000 te mal an einem Tag nachschminken muss. Das aufgesetze Lächeln, die gespielte Freundlichkeit,  obwohl du dich gerade am liebsten einfach verkriechen würdest. Dieses Kopfkino, dass irgendwie nicht enden will… Jedes Stück, jedes Teil, jeder Gegenstand, der dich  erinnert.

Wir nehmen negative Gefühle anders wahr als nicht sensible Menschen. Somit ist bei uns eine Verletzung, ein Verlust ,  eine Enttäuschung, Liebeskummer kein Ding über das wir kurz nachdenken und dann wegschieben können. Wir nagen meist sehr lange und sehr  intensive Zeit daran und für uns fühlt es sich so ungefähr wie ein Weltuntergang an. Zumindest wie ein Weltuntergang unserer heilen,kleinen Welt, in der sich einfach alle lieb haben. Wir können nur ganz ganz schwer loslassen, aufgeben oder abschließen. Und ja unsere Aussenwelt wird das in den meisten Fällen nicht mitbekommen, denn wir Hochsensiblis sind toll im Schauspielern und verstellen und geben uns nach Aussen oft als richtig kühl und unverletzbar. Wir wären es vielleicht gerne manchmal in der Realität auch…

Vor Verletzungen schützen?

 

 

Es wird nicht möglich sein, sich zu 100% vor Verletzungen, Enttäuschungen zu schützen. Diese gehören zum Leben und auch zum persönlichen Wachstum dazu und brauchen wir manchmal auch um daraus zu lernen und zukünftige Fehler zu vermeiden.

Wenn ich als Teenager Liebeskummer hatte, hat meine Oma immer zu mir gesagt:

„Tränen reinigen das Herz. Wenn du das Gefühl hast, dass dein Leben gerade auseinander fällt , bleib ruhig. Es sortiert sich nur neu. Alles passiert aus einem Grund und irgendwann wirst du verstehen aus welchen.“

Ja meine Oma ist eine sehr emotional  , intelligente (übrigens meiner Meinung nach auch hochsensible) Frau. Ich glaub sie würde diesen Spruch mit ihren über 90 Jahren auch heute noch zu mir sagen 😉

Meine kleinen Survival Tipps:

(haha und yes – leichter geschrieben als umgesetzt, aber vielleicht hilft es dem einen oder anderen)

 

 

-Wähle deine Vertrauenspersonen bewusst aus:

Mich können grundsätzlich nur Menschen verletzen, die mir etwas bedeuten und die ich in mein Herz gelassen habe. Die Gefühlswelt aller anderer Menschen kann ich echt supergut ausblenden. Ich wähle meinen engeren Vertrauenskreis sehr bewusst aus und brauche ca 10000 Gespräche bis ich mich überhaupt mal öffne und jemanden in meine Gefühlswelt lasse oder zu Gefühlen stehe. Die Menschen, die in meinem Herzen sind und mich somit verletzen könnten, kann man also an einer Hand abzählen. Vermutlich ein Selbstschutz- ich prüfe normallerweise echt sehr gut, wen ich in mein Herz lasse. Aber manchmal schleicht sich da halt doch wer ein, der da eigentlich nicht hingehört. Das kann man oft auch gar nicht verhindern , denn gegen Gefühle kann man ja bekanntlich nicht ankämpfen und diese entwickeln sich meist einfach mit der Zeit.

-Rückzug:

Ist so die erste und wahrscheinlich auch schwierigste Form des Loslassens. Für mich ist es das Allerschlimmste einen Menschen loslassen zu müssen, denn ich gar nicht loslassen will. Mir hilft es aber meist sehr gut um die Dinge einfach mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, meinen Kopf wieder frei zu bekommen und meine Gedanken zu sortieren. Ausserdem wird in der Zeit meist klar, wieviel der Person, die dich verletzt hat wirklich an dir liegt. Liegt dieser Person etwas an dir , wird sie auf dich zukommen.

 

-Gefühle zulassen und akzeptieren:

Die Gefühle sind da und werden nicht von einem Tag auf den anderen verschwinden. Man muss also lernen damit umzugehen und sie auch mal zuzulassen. Logisch- ich mein damit jetzt nicht, dass du im Office vor 10 Kolleginnen zu Heulen beginnen sollst. Aber wenn dir zum Weinen zumute ist, mache es. Alleine , oder mit einer guten Freundin oder einer anderen Vertrauensperson. Wenn du das Glück hast hochsensible Freunde zu haben, werden sie es 100% verstehen und wahrscheinlich sogar mit dir mitweinen und leiden. Du musst nicht immer stark sein , du darfst auch mal schwach sein.

-überdenke deinen Lifestyle:

Glücklich sein – das wünschen wir uns wohl alle. Mach dir bewusst Gedanken darüber was dich glücklich macht, reflektiere deine Gedanken und setze dir neue Ziele. Vielleicht sind es auch einfach nur Gedanken, die dich daran hindern ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. „Das Leben ist eine Erfahrung – all die schönen und glücklichen Momente gehören genauso dazu wie die Fehler. Solange wir an Alten festhalten, blockieren wir den Fluss von neuer, positiver Energie. Nur wenn wir Lernen altes loszulassen, können wir das neue wertschätzen. Wenn es einen Menschen gibt, der dich verletzt hat – lass los ,in dem Wissen dass du nur dir selbst Schaden zufügst, wenn du an den negativen Gedanken festhälst. Nur du alleine, trägst die Verantwortung für dein Leben und nur du entscheidest wie du mit dem was dir passiert umgehst. Oft erkennen wir erst später, warum manche Dinge passieren mussten. Damit wir uns entwickeln, aus dieser Erfahrung lernen und das Beste draus machen. Veränderung ist am Anfang meist sehr unbequem und fühlt sich nicht gut. Aber Veränderung ist manchmal wichtig, damit etwas Neues wunderschönes passieren kann. Schaffe Raum für Liebe, Zufriedenheit und Vertrauen. „ Innergarden

 

 

 

 

 

Alles Einbildung? Nein, denn mit Hochsensibilität beschäftigte sich Psychologin Elaine Aron bereits in den 1990 er Jahren. Hochsensibilität ist kein Massenphänomen – es werden immer mal wieder % Zahlen zwischen 15 und 20% genannt, ein richtig belegbare Studie dazu gibt es aber nicht – Denn hochsensibel ist auch nicht gleich hochsensibel.

Wir alle sind Individuen – ob Normalsensibel, Sensibel oder Hochsensibel und im Endeffekt wünschen wir uns alle doch dasselbe: Unser Glück, unsere Erfüllung zu finden, geliebt zu werden und Liebe zu geben.

Eure Kati