Wie fängt man nach über 3 Jahren einen neuen Blogpost an?

Die größte Herausforderung an diesem Artikel. Ich hab jetzt über 2 Monate daran geschrieben 😉  Viele von euch haben sich eine Fortsetzung gewünscht. Ich weiß, dass es ganz vielen von euch ähnlich wie mir geht und dass  mir viele aus meiner Instagram und Facebook Community genau deshalb folgen: weil ich hochsensibel bin und  dazu stehe und inzwischen (meistens) offen darüber reden oder zumindest schreiben  kann. Noch immer wenden sich täglich Mädels an mich, die durch meinen ersten Blogpost auf mich aufmerksam werden. https://www.fashiondiaries.online/hallo-welt/.

Mädels, die in der Google Suchleiste „hochsensibel“ eingeben und denen dann mein Blogpost aufpoppt. Niemals hätte ich erwartet , dass ich dadurch soviele Menschen erreiche, mich mit sovielen Menschen über Social Media austauschen kann.

Heute möchte ich vor allem auf eure Fragen eingehen, da die sich wirklich ganz ganz oft wiederholen.  Aber fangen wir von vorne an….

Hochsensibilität ist keine psychische Krankheit oder eine Modeerscheinung – Hochsensibiltät ist ein wunderschöner Wesenszug. Rund 20 % aller Menschen sind hochsensibel, nehmen Reize eindrücklicher wahr und verarbeiten diese intensiver. Da es sich bei Hochsensibilität nicht um eine Krankheit handelt ist eine Diagnose nicht unbedingt notwendig, dennoch kann es sehr hilfreich sein um sich selbst besser zu verstehen und lernen mit dieser wunderschönen Charaktereigenschaft umzugehen. Es gibt Selbsttests, bei denen sich die meisten hochsensiblen Menschen schnell wiederfinden. Diesen kann ich euch ans Herz legen, wenn ihr herausfinden wollt , ob ihr auch hochsensibel seid. https://www.einfachganzleben.de/leben-balance/selbsttest-hochsensibel

Nun zu euren Fragen – ich berichte aus meinen Erfahrungen, aus meinen Alltag und hoffe, dass ich so den einen oder anderen ein bisschen stärken kann.

Wie fühlt sich das Leben als HSP an?

In unserer schnelllebigen Welt haben Emotionen meist keinen Platz – daher fühlen sich die meisten hochsensiblen Menschen unverstanden und „anders“. Überstimulation kann quälend sein , das zeigt sich in der detailreichen Wahrnehmung  und in dem intensiven Einfühlungsvermögen.Bei Hochsensiblen Menschen funktioniert das Gehirn anders. Die Sinneskanäle sind permanent offen, alle Reize gehen ungefiltert durch. Dadurch nehmen hochsensible Menschen sehr viel mehr von ihrer Umwelt wahr.

Ein Parfum, ein Rauschen, ein Lied, negative Vibes, ein trauriger Film,Ungewissheit, Menschenmassen  – die Schwelle zur Reizüberflutung ist bei HSPs niedriger als bei Nicht HSPs. Als Kind und Teenager konnte ich diese Gefühle nicht zuordnen. Ich hab mich oft gefragt, warum mich  Shoppingtouren, Treffen mit Freundinnen, Liebeskummer immer komplett aus der Bahn geworfen haben. Ein Streit mit einer Freundin war für mich der Weltuntergang – mich beschäftigten aber auch die Probleme, der Menschen, die mir am Herzen lagen extrem. So extrem , dass ich nur noch daran denken konnte und mich richtiggehend reinsteigerte. Ich war eine sehr gute Zuhörerin, daher hatte ich natürlich auch viele Freunde, die mir ihr Herz ausschütteten.

Ich war immer ein „Dreamer“ – am liebsten verkrümelte ich mich in meiner kleinen Traumwelt.

Als Kind verbrachte ich am liebsten stundenlang in meinem Zimmer, träumte vor mich hin und mein Kopf sprudelte nur über vor Ideen und Pläne. Meine Lehrerin bezeichnete mich immer als überehrgeizig. Ich steigerte mich richtig gehend rein, wollte Projekte in der Schule immer perfekt abschließen. Solange ich das nicht geschafft habe war ich unruhig und meine Gedanken schwirrten nur um die offenen ToDos. Ich brauchte immer meine Routine: am besten Mo das, Di das und Mi das. War es einmal anders wurde ich nervös. Karussell im Kopf.

Wie hast du gelernt damit umzugehen?

Die Frage erreicht mich wirklich ganz ganz oft. Hochsensibilität verschwindet nicht einfach, dennoch kann man ein wunderschönes Leben führen, wenn man gelernt hat damit umzugehen. Ich bin glücklich – ich liebe meine Hochsensibilität (meistens). Meine Kreativität  hat mir Türen geöffnet, von denen ich immer geträumt habe. Mein Instinkt hat mir den richtigen Weg gezeigt und die richtigen Menschen in mein Leben gebracht und mein Ehrgeiz hat mir uneingeschränkte Kraft geschenkt. Ich habe Veränderungen in meinem Leben vorgenommen, die meinen Alltag unheimlich ins Positive gerückt und erleichtert haben. Ich bin egoistischer geworden, schaue mehr auf mich selbst und setzte meine Pläne im Kopf in die Tat um. Ich mache das was MICH glücklich macht.

Hast du viele Freunde und wie schaffst du es zu differenzieren?

Viel zu oft habe ich an Freundschaften, Beziehungen, Bekanntschaften festgehalten, die mich runtergezogen haben. Negative Vibes haben mich belastet und meine eigenen positiven Vibes überschattet.Oft musste ich mir anhören, dass ich nicht so sensibel sein soll.  Ich hab nach wie vor  viele Bekannte, aber nur eine Handvoll Menschen, die ich wirklich in mein Leben lasse. Vor denen ich mich öffne, denen ich vertraue und für die ich wirklich alles geben würde und wo ich auch mit Sicherheit weiß, dass diese alles für mich geben würden. Das Wort „Freundin“ hat für mich einen sehr hohen Stellenwert bekommen, diesen Titel haben nur ganz wenige.Diese Menschen sind für mich unbezahlbar und ich bin sehr dankbar sie in meinem Leben zu haben. Sie lassen mich so sein wie ich bin, geben mir Stabilität und wollen mich auch nicht verändern, weil sie mich genau wegen meiner Hochsensibilität lieben.

Mir fällt es aber andererseits sehr schwer neue Menschen in mein  Leben zu lassen, die mich auch bereichern würden und es wahrscheinlich  gut mit mir meinen. Vermutlich ist das aber ein Selbstschutz von mir, da ich nach wie vor Angst vor Abweisungen wegen meiner Hochsensibilität habe. Andere Menschen bezeichnen mich als extrovertiert, ich würde mich eher als Mischtyp bezeichnen. Ich kenne meine Wirkung auf die Aussenwelt- meistens werde ich als kleiner Sonnenschein, der immer lacht, bezeichnet. Fremde Menschen anquatschen, oberflächlichen Smalltalk führen ist für mich überhaupt kein Problem – geht es aber ins tiefgründige, ziehe ich meist die Reissleine. Und das obwohl  ich tiefgründige Gespräche und Menschen, die über den Tellerrand hinausblicken sehr mag.  Ich  lasse nur schwer jemanden richtig an mich ran – denn sind die Emotionen erstmal da und lasse ich mich auf jemanden ein- dann zu 100%.Dann bin ich verletzlich. Mir fällt es auch nach wie vor schwer Emotionen auszusprechen- „ich vertraue dir“, „ich mag dich“ bekommt nicht jeder von mir zu hören.

Wie schaffst du es beruflich so erfolgreich zu sein, obwohl du hochsensibel bist?

Ich hab ein gutes Gespür dafür, in welchen Situationen Emotionen angebracht sind und in welchen nicht. Gerade im Arbeitsleben bin ich eine gute „Schauspielerin“ geworden. Das Geschäftsleben ist teilweise wirklich knallhart und gerade im Versandhandel, der eine sehr Männer-dominierende Branche ist, zeige ich nur selten Emotionen oder Schwäche. Ich sehe meine Hochsensibilität eher als Vorteil. Gerade bei Meetings, Verhandlungen bin ich meinem Gegenüber meistens eine Nasenlänge voraus. Mein Instinkt weist mir meistens ganz gut den Weg und ich weiß  im Vorhinein, wie ich jemanden „anpacken“ muss um gut anzukommen. Ich verlasse mich beruflich wirklich ganz ganz oft mein Gefühl und meinen Instinkt und entscheide viel mit dem Herz. Aber auch im Berufsleben hab ich wirklich wundervolle Menschen an meiner Seite, die mich stärken, ergänzen und mein emotionaler Gegenpol  sind.

In welchen Situationen bist du überfordert und wie schaffst du es abzuschalten? Du hast immer soviel Power und Energie.

Ich bin ganz selten von der Arbeit oder Projekten überfordert. Im Gegenteil ich glaub ich könnte tagelang ohne Essen und Schlafen durcharbeiten.Ich liebe es mich richtig auszupowern und 110 % zu geben. Meine größte Schwäche ist emotionale Überforderung. Gefühle, die ich nicht zuordnen kann- Ungewissheit, negative Vibes , Ungerechtigkeit, wenn etwas nicht nach Plan läuft , Durcheinander, Chaos , Veränderungen, Abweisungenvon Menschen, die mir etwas bedeuten  – das alles sind Dinge , die mich so richtig aus der Bahn werfen können. Ich bin nach wie vor so, dass ich es nicht immer schaffe dagegen vorzugehen. Manchmal versinke ich  dann einfach in meinen Kopfkino, hab 1000 Bilder im Kopf  und denke stundenlang darüber nach warum und wieso das so ist.

Was mir aber extrem hilft: 

Gespräche mit einer engen Vertrauensperson

Offline Time

Sport

Musik

frische Luft

kuscheln mit meinen Katzen

träumen

Wenn ihr bis hierher gelesen habt, großes Kompliment an euch 🙂 Das freut mich wirklich unheimlich.

Never apologize for being sensitive or emotional. Its a sign that you have a big heart, and that you aren’t afraid to let others see. Showing your emotions is a sign of strength.